7. Tag der Herdenbetreuung

7. Tag der Herdenbetreuung

Welch ein Tag! Das Kuhkraftwerk war bis auf den letzten Platz besetzt, wir konnten pünktlich beginnen und alle Leute waren gespannt, welche Daten die Mitarbeiter von Kuhkraft in diesem Jahr präsentieren würden.

Jenni Petry zu Totalverlusten von Kühen
Jenny Petri zu Totalverlusten von Kühen

Den Anfang machte Jenny Petri mit der Darstellung der Totalverluste von Kühen in Kuhkraftbetrieben. Insgesamt 4,6 % aller Kühe in Kuhkraftland sterben jedes Jahr bzw. müssen eingeschläfert werden. Die wichtigsten Ursachen hierfür sind in Traumata, schweren Mastitiden und Stoffwechselstörungen zu finden. Kuhkraft arbeitet hart daran, die Haltungsbedingungen zu verbessern, die Fütterung konstanter zu machen und Transitgruppen noch komfortabler zu gestalten, um den Tieren ein möglichst artgerechtes Leben garantieren zu können.

Sonja Mergard zu Zwillingsträchtigkeiten

Sonja Mergard brachte den Zuschauern im zweiten Vortrag des Tages die neuesten Daten zu Zwillingsträchtigkeiten näher. Kuhkraft hat den Anspruch, bei der Trächtigkeitsuntersuchung möglichst jede Zwillingsträchtigkeit zu finden und zu dokumentieren. Im Jahr 2018 waren 2,4 % der untersuchten Kühe mit Zwillingen trächtig. Die beeindruckenste Tatsache hierbei war, dass 40 % der Kühe, deren Zwillinge in einem Gebärmutterhorn zu liegen kamen, diese abortierten. Wir sehen, welch großes Risiko die Zwillingsträchtigkeit beinhaltet und wie wichtig es ist, dieses Risiko möglichst früh zu erkennen.

Felix Hünnekes zu Silagen
Felix Hünnekes zu Silagen 2018

Felix Hünnekes war in diesem Jahr der Mann für die Silagen: Die Silokings!“, so lautete die Überschrift seines Beitrags. Anschaulich erklärte Felix die neuen Silageanalysen, unter besonderer Berücksichtigung der Faserverdaulichkeit NDFD30 und UNDF240. Daraus ergab sich eine ausführliche Diskussion über Pro und Contra von Silierhilfsmitteln. Dabei konnte jeder Teilnehmer seine eigenen Daten im persönlichen Ordner mit den gezeigten vergleichen und sich dadurch entsprechend einordnen.
Klar bleibt, dass vor allem die Gewinnung von guten Grassilagen ebenso herausfordernd wie wichtig für einen vollen Milchtank und Geldbeutel sind. Die an dieser Stelle wichtigsten Kriterien sind der Grasbestand sowie das Reifestadium.
Abschließend wurden auch dieses Jahr die besten Silagen prämiert. Sowohl bei der Mais- als auch bei der Grassilage räumte Hubertus Gierse die Preise ab. Herzlichen Glückwunsch, lieber Hubertus, zu deiner hervorragenden Außenwirtschaft!

Katrin Schmid zur Eutergesundheit
Katrin Schmid zu Eutergesundheit

Im Anschluss schwörte Katrin Schmid die Zuhörer mit ihrer unnachahmlichen Art auf die Belange der Kühe zur Eutergesundheit ein. Eine im Schnitt zu hohe Neuinfektionsrate von fast 18% zwingt uns, über Hygiene und Komfort (Ventilation) bei den täglichen Abläufen im Kuhstall nachzudenken.
Wie gut, dass es die Kuhkraft Protokolle gibt, anhand derer wir den direkten Zusammenhang von NIR und Umgebungstemperatur erkennen können! Damit konnte Katrin genau feststellen, wie viel der behandelten Euterviertel wieder ausheilen, wie entscheidend sich dabei die Gabe eines Entzündungshemmers auswirkt und wie der mastDecide Mastitis Schnelltest, der in Hessen vorerst noch verboten ist, Kuhkraftland auf die nächste Stufe einer ebenso verantwortungsvollen wie effektiven Mastitisbehandlung hebt.
Hier legte Katrin besonders den Betrieben, die mit automatischen Melksystem in arbeiten, die Kennzahl der chronisch euterkranken Kühe ans Herz, da sie in jedem Bestand die wichtigste Infektionsquelle für eutergesunde Kühe darstellen.
Auch in punkto Eutergesundheit kürten wir den besten Betrieb des Jahres 2018: Die Loesing Milch KG konnte mit hervorragenden Zahlen diesen Preis für sich einheimsen. Wir gratulieren für die tolle Melkarbeit!


In der Mittagspause war für das leibliche Wohl gesorgt und die Teilnehmer konnten frische Luft in den Kopf lassen, bevor es weiterging.


Franz Zimmer zur Bewertung des Konzentrateinsatzes
Franz Zimmer zur Bewertung des Konzentrateinsatzes

Der Nachmittag startete mit einer schönen Geschichte von mir zur ökonomischen Bewertung des Konzentratseinsatzes in der Milchviehfütterung. Mithilfe einer dafür eigens aufgesetzten Excel Tabelle konnte ich dabei mit Variablen wie Milchpreis, Kraftfutterkosten und Kraftfuttermengen anschaulich machen, dass es sich aus ökonomischer Sicht immer lohnt, den entsprechenden Kraftfutteraufwand zu betreiben, wenn danach die entsprechende Milchleistungssteigerung eintritt.
Deshalb sollten wir endlich diese Zahlen wie „Gramm gefüttertes Kraftfutter pro Kilo erzeugter Milch“ aufgeben und uns der tatsächlichen Ökonomie der Milchviehfütterung widmen.

Franz Zimmer zu Fruchtbarkeit
Franz Zimmer zu Fruchtbarkeit und Leistung

Den Abschluss machte das Thema Fruchtbarkeit und Leistung. Unter der Überschrift Einfach mal ein Jahr lang keinen Fehler machen! habe ich ein 10-Punkte-Programm vorgestellt. Damit können Kuhkraftbetriebe erfolgreich arbeiten – sowohl auf der Seite der Tiergesundheit als auch auf der ökonomischen Seite. Erwähnt sei dabei, dass die gut 7000 Kühe der Auswertung in 2018, im Durchschnitt fast 10.600 kg Milch produzierten. Diese Leistung kann sich durchaus sehen lassen.
Der Betrieb mit den besten Werten bei Fruchtbarkeit und Leistung war Berthold Drilling, der sich stolz präsentieren durfte. Herzlichen Glückwunsch, lieber Berthold, für dein Engagement im Kuhstall!

Gastvortrag von Nicolas Giegler zu Arbeitsorganisation
Professor Nicolas Giegler zum Thema Arbeitsorganisation

Nach einer kurzen Verschnaufpause stand dann der Top-Act des Tages auf dem Plan: Unser externer Spezialist für Arbeitsorganisation, Professor Dr. Nicolas Giegler von der Frankfurt University of Applied Sciences.
Er brachte die gesamte Zuhörerschaft mittels zusammenhängender Schlagwörter auf einer Flipchart zum Nachdenken und Mitschreiben. Schwer beeindruckt müssen die Teilnehmer wohl gewesen sein, da es doch nach jeder Frage, die Professor Giegler ins Publikum „geschleudert“ hat, extrem still im Raum war.

Um 16:15 Uhr war der Tag beendet!
Die Teilnehmer des 7. Tags der Herdenbetreuung machten sich mit einem Kopf, der bis an den Rand mit Neuigkeiten und persönlichen Eindrücken gefüllt war, auf den Heimweg.
Vielen Dank für die überaus zahlreiche Teilnahme sowie die intensiven Diskussionen, die diesen Tag zu einem Erlebnis gemacht haben.

Vielen Dank auch an mein gesamtes Team, das sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung dieses 7. Tages der Herdenbetreuung Großartiges geleistet hat!


Der Tag der Herdenbetreuung wurde gefolgt von einem Intensivworkshop zum Thema “Arbeitsorganisation” mit Prof. Giegler. Klicken Sie hier, um den Rückblick zum Workshop zu lesen.